- Einleitung
- Die Synagoge in der Dohány-Straße: ein Meisterwerk jüdischer Architektur
- Das Jüdische Museum und das Holocaust-Gedenkzentrum
- Die Synagoge in der Kazinczy-Straße und das Jüdische Viertel
- Die Synagoge in der Rumbach-Straße
- Die Schuhe am Donauufer
- Das Jüdische Historische Museum
- Die jüdische Gemeinde heute
- Fazit
Einleitung
Die jüdische Gemeinde hat Budapest geprägt wie kaum eine andere, und ihre Geschichte gehört zu den wichtigsten Kapiteln der Stadt. Trotz Verfolgung und der Ermordung Hunderttausender im Holocaust ist die jüdische Kultur hier nicht erloschen. Heute ist jüdisches Leben in Budapest wieder sichtbar und lebendig. Besucher finden Synagogen, Museen und Gedenkorte, an denen deutlich wird, wie stark die jüdische Gemeinde Geschichte, Kultur und Architektur der Stadt mitgestaltet hat. Dieser Überblick stellt die wichtigsten Orte des jüdischen Budapest ausführlich vor.
Die Synagoge in der Dohány-Straße: ein Meisterwerk jüdischer Architektur
Die Synagoge in der Dohány-Straße (auch Große Synagoge genannt) ist die größte Synagoge Europas und eine der größten der Welt. Sie steht für die lange Geschichte der jüdischen Gemeinde in Ungarn und für deren Beharrlichkeit.
Der Bau wurde 1859 nach Plänen des Wiener Architekten Ludwig Förster fertiggestellt, der maurische, byzantinische und romantische Stilelemente miteinander verband. Markant sind die beiden Türme und der reich ausgestattete Innenraum, der mehr als 3.000 Gläubigen Platz bietet. Die Fassade mit ihrem kunstvollen Ziegelmauerwerk und den geometrischen Mustern erinnert an die Alhambra in Spanien und lässt jüdische wie islamische Kunsteinflüsse erkennen.
Eine Besonderheit der Synagoge ist ihre Orgel. In Synagogen sind Orgeln selten. Hier verweist das Instrument auf das neologe Judentum, eine Richtung, die modernere, reformorientierte Elemente aufgenommen hat. In der Synagoge sind zahlreiche weltbekannte Musiker aufgetreten, unter ihnen Franz Liszt, der hier die Orgel spielte.
Das Jüdische Museum und das Holocaust-Gedenkzentrum
Direkt neben der Synagoge in der Dohány-Straße liegt das Jüdische Museum, ein weiterer wichtiger Ort für alle, die sich für jüdische Geschichte interessieren. Es gibt einen umfassenden Einblick in das jüdische Leben in Ungarn, von der religiösen Praxis bis zu den Bräuchen des Alltags. Zur Sammlung gehören Kultgegenstände, Textilien und historische Dokumente, von denen einige mehrere Hundert Jahre alt sind.
Ein besonders bewegender Teil des Museums ist das Holocaust-Gedenkzentrum, das an die jüdischen Opfer des Holocaust erinnert. Es führt vor Augen, welche Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs an der jüdischen Gemeinde verübt wurden. Ungarn verlor im Holocaust fast 600.000 Jüdinnen und Juden, und das Museum sorgt dafür, dass diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Im Raoul-Wallenberg-Gedenkpark hinter der Synagoge steht eine Skulptur in Form einer Trauerweide, der Baum des Lebens. Jedes ihrer Blätter trägt den Namen eines Holocaust-Opfers.
Die Synagoge in der Kazinczy-Straße und das Jüdische Viertel
Sehenswert ist auch die Synagoge in der Kazinczy-Straße mitten im Jüdischen Viertel, das zum Stadtbezirk Erzsébetváros (Elisabethstadt) gehört. Die 1913 erbaute Synagoge ist ein herausragendes Beispiel für die Architektur des Jugendstils. Farbige Glasfenster, fein gearbeitetes Holz und bemalte Decken machen sie zu einer der ungewöhnlichsten Synagogen Europas.
Das Jüdische Viertel selbst steckt voller Geschichte und Kultur. Einst war es das Zentrum des jüdischen Lebens in Budapest, und noch heute gibt es hier zahlreiche koschere Restaurants, Bäckereien und Geschäfte mit Judaika. Über das Jahr verteilt finden im Viertel mehrere Kulturfestivals und Veranstaltungen statt, darunter das Jüdische Kulturfestival, das Tausende Besucher anzieht.
Ein Spaziergang durch das Jüdische Viertel zeigt, wie die jüdische Gemeinde früher gelebt hat und wie sie heute lebt. In den vergangenen Jahren ist die Gegend außerdem für ihre „Ruinenbars“ bekannt geworden: Lokale in ehemals leer stehenden Häusern, die zu beliebten Treffpunkten geworden sind. Sie liegen Tür an Tür mit den historischen jüdischen Stätten und geben dem alten Viertel eine junge Seite.
Die Synagoge in der Rumbach-Straße
Auch die Synagoge in der Rumbach-Straße im Jüdischen Viertel ist architektonisch bedeutend. Sie wurde 1872 nach Plänen des österreichischen Architekten Otto Wagner in einem orientalisierenden Stil errichtet, der die maurischen Anklänge der Synagoge in der Dohány-Straße aufgreift. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Rumbach-Synagoge schwer beschädigt und verfiel danach über viele Jahre. Erst die jüngste Restaurierung hat ihr wieder Leben gegeben.
Heute dient die Synagoge in der Rumbach-Straße als Kultur- und Gemeindezentrum. Hier finden Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt, die dem jüdischen Erbe gewidmet sind. Der Innenraum mit seinen reich bemalten Decken und den geometrischen Mustern an den Wänden bildet dafür einen eindrucksvollen Rahmen.
Die Schuhe am Donauufer
Eines der eindringlichsten Mahnmale Budapests sind die Schuhe am Donauufer. Sie erinnern an die jüdischen Opfer, die im Zweiten Weltkrieg von der Miliz der Pfeilkreuzler erschossen wurden. Das schlichte und zugleich eindrückliche Mahnmal besteht aus 60 Paar eisernen Schuhen, die verstreut an der Uferkante stehen. Sie symbolisieren die Schuhe, die die Opfer zurücklassen mussten, bevor sie in die Donau getrieben und getötet wurden. Das Mahnmal erinnert an die Schrecken des Krieges und an die Brutalität, der die jüdische Gemeinde im Holocaust ausgesetzt war.
Geschaffen haben es der ungarische Bildhauer Gyula Pauer und der Filmregisseur Can Togay. Es ist den Tausenden Jüdinnen und Juden gewidmet, die ihr Leben verloren. Viele Besucher legen hier Blumen nieder oder zünden Kerzen an, um der Opfer dieses dunklen Kapitels der Geschichte zu gedenken.
Das Jüdische Historische Museum
Das Jüdische Historische Museum neben der Synagoge in der Dohány-Straße besitzt eine umfangreiche Sammlung jüdischer Kunst- und Alltagsgegenstände, Handschriften und Kultobjekte, die Geschichte und Kultur des ungarischen Judentums dokumentieren. Die Ausstellungen behandeln religiöse Traditionen, kulturelle Bräuche und die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Ungarn.
Zu sehen sind ganz unterschiedliche Stücke, von alten Torarollen bis zu kunstvoll gearbeiteten Menora-Leuchtern. Zu den wichtigsten Exponaten gehört ein mittelalterlicher jüdischer Grabstein, eines der ältesten erhaltenen jüdischen Zeugnisse in Ungarn. Das Museum verfügt außerdem über einen großen Bestand an Dokumenten zum Holocaust, darunter persönliche Briefe, Fotografien und andere Gegenstände, die vom Leben ungarischer Jüdinnen und Juden in dieser Zeit erzählen.
Die jüdische Gemeinde heute
Die jüdische Gemeinde Budapests ist trotz der Brüche ihrer Geschichte heute aktiv und lebendig. Das Bálint-Haus, das jüdische Gemeindezentrum der Stadt, ist ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Das Programm reicht von Bildungsworkshops über Kulturveranstaltungen bis zu Gottesdiensten und richtet sich an Jüdinnen und Juden jeden Alters und jeder Herkunft.
Viele Budapest-Besucher gehen auch ins Israelische Kulturinstitut. Es fördert die Verbindungen zwischen Ungarn und Israel durch Kulturaustausch, Bildungsprogramme und Veranstaltungen zur israelischen Kultur.
Fazit
In Budapest liegen Vergangenheit und Gegenwart dicht beieinander, und der Beitrag der jüdischen Gemeinde zur Kultur und Geschichte der Stadt lässt sich kaum ermessen. Von der großen Synagoge in der Dohány-Straße bis zu den schlichten Schuhen am Donauufer: Diese Orte laden dazu ein, über die Widerstandskraft und Stärke des jüdischen Volkes nachzudenken. Wer durch Budapest geht, begegnet auf Schritt und Tritt Jahrhunderten jüdischer Geschichte, die die Stadt bis heute prägt. Für alle, die sich für Architektur, Geschichte oder kulturelles Erbe interessieren, ist der Besuch dieser Orte ein großer Gewinn.